Austausch in Workshops

Der Freitagnachmittag (1. April 2011)stand ganz im Zeichen der Vernetzung und Zusammenarbeit der Kongressteilnehmenden. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer konnte ihr bzw. sein Fachwissen in einem der angebotenen Workshops einbringen und damit zur Intensivierung des Austauschs zwischen den unterschiedlichen Fachdisziplinen beitragen.

Hierzu wurden während des Kongresses zehn Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen angeboten. Im Anschluss fand auf dem Marktplatz ein gegenseitiger Austausch statt.

Workshop 1
Kontrazeption und Einfluss auf Körperwahrnehmung, Sexualität und Partnerschaft
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Workshop 2
Hormonelle Kontrazeption
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Workshop 3
Nichthormonelle Kontrazeption
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Workshop 4
Kontrazeptionsberatung
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Workshop 5
Verhütungspannen und Motive für Nicht-Verhütung
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Workshop 6
Sexuelle und reproduktive Rechte
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Workshop 7
Verhütung, Familienplanung und Migration
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Workshop 8
Verhütung und Kommunikation
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Workshop 9
Sexualität und Verhütung bei Menschen mit Beeinträchtigung
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Workshop 10
Informationen von Staat, Nichtregierungsorganisationen und Industrie
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Workshopinhalte

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Workshop 1
Moderation: Dr. Claudia Schumann, Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Northeim

Kontrazeption und Einfluss auf Körperwahrnehmung, Sexualität und Partnerschaft

Die Wahl der Verhütungsmethode - auch im Lebenslauf – ist meist nicht von Auswirkungen auf Körper, Sexualität und Partnerschaft zu trennen. Diese Faktoren werden oft nicht hinreichend berücksichtigt in der Beratung und/oder Verschreibung von Verhütungsmitteln. Welche psychosomatischen Aspekte wirken sich auf die Wahl einer Verhütungsmethode aus? Sind für das spätere Kontrazeptionsverhalten Erfahrungen im Jugendalter relevant? Wie wichtig ist die Menstruation heute? Der Workshop beleuchtet - aus Sicht verschiedener Disziplinen - das Thema Kontrazeption und Körper aus einem ganzheitlichen Blickwinkel.

Workshop 2
Moderation: Dr. Klaus König, Berufsverband der Frauenärzte e.V. Steinbach

Hormonelle Kontrazeption

Vereinzelten Studienergebnissen zufolge scheint es einen Zusammenhang zwischen sexuellen Funktionsstörungen und hormoneller Kontrazeption zu geben. Die Diskussion um Nebenwirkungen der Hormone auf Libido und Körperwahrnehmung lässt viele Fachkräfte aufhorchen. Welche Empfehlungen bezüglich Sicherheit vs. Eingriff in das Körpergeschehen resultieren aus den aktuellen Erkenntnissen für die verschiedenen Altersgruppen? Welche Rolle kann dabei die Verhütung für den Mann spielen? Wissenschaftliche Ergebnisse und Erfahrungen aus der Praxis zu hormoneller Verhütung einschließlich Langzyklus werden vorgestellt und diskutiert.

Workshop 3
Moderation: Dr. Knut O. K. Hoffmann, Sexualmedizin Praxis und Institut, Karlsruhe

Nichthormonelle Kontrazeption

Kondome werden als Schutz vor STIs und HIV/Aids in allen Altersgruppen zunehmend akzeptiert und genutzt. Dagegen gelten Barrieremethoden wie z.B. das Diaphragma häufig als unmodern, unsicher und schwierig in der Handhabung. Sind sie ein Auslaufmodell? Für welche Zielgruppe bzw. welchen Typ Frau und Mann sind die verschiedenen Barrieremethoden geeignet? Welche Rolle spielen Angst vor Libidoverlust, der Einfluss auf die partnerschaftliche Sexualität oder Kinderwunsch bei der Auswahl einer geeigneten Methode? Ist die männliche Vasektomie für ein Paar eine attraktive Alternative? Die Einordnung und die Barrieren für nichthormonelle Kontrazeption werden betrachtet und diskutiert.

Workshop 4
Moderation: Dr. Christian Albring, Berufsverband der Frauenärzte e.V., Hannover

Kontrazeptionsberatung

In der Aufklärung und Beratung von Menschen zu Fragen der Kontrazeption sind sowohl gynäkologische als auch Fachkräfte der Beratungsstellen beteiligt. Sie beraten aus Sicht ihrer jeweiligen Disziplin und auf Grundlage ihrer Erfahrungen aus der Praxis. Es gibt keine verbindliche Leitlinien und keine interdisziplinär abgestimmten Empfehlungen zur Verhütungsberatung. Wie können sich Beratungsstellen und Gynäkologie stärker miteinander vernetzen? Was wissen wir über die Qualität der Beratung der verschiedenen Fachrichtungen? Welche juristischen Aspekte spielen in der Praxis eine Rolle? Der Workshop wird sich mit der Frage beschäftigen: was wird benötigt für die Beratung und die Empfehlung zur Verwendung von Kontrazeptiva?

Workshop 5
Moderation: Anke Erath, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln

Verhütungspannen und Motive für Nicht-Verhütung

Die Planung von (gelungener) Verhütung steht manchmal mit sexueller Leidenschaft in Widerspruch. Ist Sex überhaupt planbar? Wie viel Geduld haben wir mit Pannen? Sind Verhütungspannen eine Frage von Verfügbarkeit und Wissen? Welche Kommunikationsfertigkeiten und Handlungskompetenzen brauchen insbesondere junge Menschen, um sicher zu verhüten und Risikosituationen richtig einzuschätzen? Welche national und international erfolgreichen Umsetzungsstrategien zur Vermeidung von Verhütungsfehlern gibt es? Anhand von praktischen Beispielen werden der Stellenwert von Verhütungspannen und der Umgang damit in der Arbeit der Beratungsstellen und der gynäkologischen Praxis diskutiert.

Workshop 6
Moderation: Prof. Dr. Ulrike Busch, Hochschule Merseburg

Sexuelle und reproduktive Rechte

Die WHO definiert die sexuellen Rechte als das Recht jedes Menschen, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt, auf einen bestmöglichen Standard sexueller Gesundheit, einschließlich des Zugangs zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung (Entwurf, 2002). Dazu gehört auch die Aufklärung und Beratung in Fragen der Sexualität, Verhütung und Familienplanung. Aktuelle Studien und Erfahrungen aus der Praxis belegen einen Einfluss sozialer Indikatoren auf das Verhütungswissen, das Verhütungsverhalten und die Austragung einer Schwangerschaft. Wie kann die Versorgung verbessert werden? Wie können Hilfeangebote noch optimaler miteinander vernetzt werden, so dass alle Frauen und Männer eine selbstbestimmte Entscheidung in Bezug auf Sexualität und Familienplanung treffen können?

Workshop 7
Moderation: Monika Hünert, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln

Verhütung, Familienplanung und Migration

Familienplanung, Sexualität und Körperkonzepte werden beeinflusst von der kulturellen Herkunft, von Moralvorstellungen und religiösen Bindungen. Welche besonderen Themen und Probleme für das Thema Verhütung ergeben sich aus dem Leben zwischen zwei Kulturen, aus den oft konträren Vorstellungen und Anforderungen der Herkunftsgesellschaft und der des Gastlandes? Was sind die Wünsche und Bedarfe der Zielgruppe im Bereich Familienplanung, Fruchtbarkeit und Sexualität? Welche Barrieren behindern den Zugang zu den vorhandenen Angeboten? Im Workshop soll diskutiert und geklärt werden, wie Angebote gestaltet sein müssen, damit sie die Bedürfnisse der Zielgruppe treffen. Es werden Studienergebnisse und exemplarische Zugänge zu dieser Zielgruppe aufgezeigt.

Workshop 8
Moderation: Stefanie Amann, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln

Verhütung und Kommunikation

Seit Jahrzehnten wird Verhütung in erster Linie unter dem Blickwinkel der Verhinderung einer Schwangerschaft und nicht im Sinne des Potentials von Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit diskutiert. Das hat Einfluss auf die Aufklärung, die Beratung und die Kommunikation, wenn es um die Entscheidung geht, für wen welche Verhütung geeignet ist. Wie wird die Frage der Verhütung gesellschaftlich, individuell und in der Paarbeziehung kommuniziert und verhandelt? Wer bestimmt die öffentliche Diskussion? Wie können auf der individuellen Ebene widerstrebende Tendenzen in Einklang gebracht werden? Im Workshop findet ein Austausch darüber statt, wie die Kommunikation über Verhütung gelingen und partnerschaftlich ausgehandelt werden kann.

Workshop 9
Moderation: Maria Gies, Familienplanungszentrum, Hamburg

Sexualität und Verhütung bei Menschen mit Beeinträchtigung

Die UN-Menschenrechtskonvention schließt auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen ein. Die Artikel 23 und 25 formulieren das Recht auf altersgemäße Information und Aufklärung über Sexualität, Fortpflanzung und Familienplanung. Wird der Zielgruppe in der Realität das Recht auf Lust, auf Sexualität, Verhütung und Elternschaft zugestanden? Was benötigen die Fachkräfte und die Institutionen der Beratung, der Betreuung und Pflege an Unterstützung und Qualifizierung? Im Workshop werden Konzepte, theoretische Grundlagen und exemplarische Zugänge zu dieser Zielgruppe vorgestellt und diskutiert, wie Partizipation und Integration gelingen kann.

Workshop 10
Moderation: Dr. Ute Sonntag, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., Hannover

Informationen von Staat, Nichtregierungsorganisationen und Industrie

Jugendliche, erwachsene Frauen und Männer haben heute vielfältige Möglichkeiten, an Informationen zu Fragen der Kontrazeption zu gelangen: von Familie, Schule, Internet, Beratungsstelle oder frauenärztliche Praxis bis hin zu der Werbung der Pharmaindustrie. Sie alle werden als Informationsquellen zu Sexualität, Liebe und Verhütung genutzt. Gibt es Konkurrenz und einander widersprechende Aussagen und Empfehlungen der unterschiedlichen Anbieter? Wie kann die Verbraucherin, der Verbraucher unterscheiden und bewerten? Im Workshop wird darüber diskutiert, wie junge Menschen und Erwachsene an fachlich fundierte und unabhängige Informationen gelangen können. Zudem dreht sich die Diskussion um geeignete Hilfestellungen für Frauen und Männer, damit diese Angebote besser bewerten können.