Schlussfolgerung

Die Auswertung des Kongresses zeigte, dass die befragten Fachkräfte besonders den hohen Informationsgehalt durch die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema positiv bewerteten. Unser Ziel, den Teilnehmerinnen und Teilnehmer die hohe Bedeutung von Vernetzung der anwesenden Disziplinen zu verdeutlichen, ist in besonderem Maße gelungen. Viele der Teilnehmenden berichteten von erstmaligen interdisziplinären fachlichen Kontakten und Gesprächen, die das gegenseitige Verständnis für Themen und Schwierigkeiten der Kontrazeption förderten. Erste gegenseitige Einladungen zum Fachaustausch wurden ausgesprochen sowie Ideen für Runde Tische angedacht. Auch wurden Qualitätszirkel oder lebensraumbezogene Netzwerke vorgeschlagen unter Beteiligung und Partizipation der Zielgruppen wie z.B. Jugendliche, Frauen und Männer mit Migrationshintergrund oder Menschen mit einer Beeinträchtigung oder einer Behinderung.

Schlussfolgerung 1. Deutscher Verhütungskongress

Einig waren sich die Fachleute in folgenden Empfehlungen:

  • die WHO-Guidelines und die MEC-Drehscheibe (Medical Eligibility Criteria Wheel for contraceptive use) zur Kontrazeptionsberatung zu übertragen und Leitlinien zu entwickeln
  • bundeseinheitliche Regelungen zu finden, die eine Wahlfreiheit für Menschen in prekären Lebenslagen ermöglicht, (Stichwort: Armut, Hartz IV und mangelnde Verhütung). Armut ist der größte Risikofaktor für eine schlechte Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln
  • die Notfallkontrazeption für die Betroffenen einfacher zugänglich zu machen und europaweit anzugleichen
  • Eine umfassende, ganzheitliche, individuelle und lebensphasenspezifische Kontrazeptionsberatung ist ganz zentral. Dazu gehören zum einen direkte Faktoren wie Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Kosten, Akzeptanz und Verträglichkeit von Verhütungsmitteln und –methoden. Zum anderen sind indirekte Faktoren wie auf der gesellschaftlichen Ebene das Gesundheitssystem, Politik und Gesetze, Kultur und Religion sowie auf der individuellen Ebene der fachliche und persönliche Hintergrund des/der Gynäkologen/in und vor allem die Wünsche, Bedürfnisse und die Lebenssituation der einzelnen Frau ausschlaggebend
  • die Bedeutung von evidenzbasierter unabhängiger und ausgewogener Information, die es Frauen und Männern erst ermöglicht, eine selbstbestimmte Entscheidung in Bezug auf Verhütung und Familienplanung treffen zu können

Hier wird die BZgA ihren Präventionsansatz weiter verfolgen und insbesondere dort ausbauen, wo spezifische Bedarfe und Zugangswege festgestellt wurden, wie z.B. in der Aufklärung, Beratung und Versorgung von Menschen anderer Herkunft/Ethnie oder bei Menschen mit einer Beeinträchtigung und/oder Behinderung. Wir werden den fachlichen und interdisziplinären Austausch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen weiter vorantreiben. Durch aktuelle Forschung und Bedarfsanalysen werden wir einen Beitrag dazu leisten, dass fachlich fundierte, seriöse und unabhängige Informationen sowohl an die Fachleute als auch an junge Menschen zu Beginn ihrer sexuellen Biografie sowie an Frauen und Männer in verschiedenen Situationen und Phasen ihres Lebens gelangen.